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Die erste Filmausbildung in der Schweiz:
Filmarbeitskurse an der Kunstgewerbeschule Zürich 1967-1969

 

 

Erster Filmarbeitskurs 1967
Thema: "Die Zwanzigjährigen"
Liste der Filme mit Synopsen der Studierenden.

Dimanche de Pingouins
Regie: Jaqueline Veuve, Kamera: Ernst Bertschi

35mm, SW, 8'
Strand, zuerst leer, dann voller Menschen. Daniel, ein schüchterner Jüngling, liest ein Buch über Pinguine am Südpol. Er schaut um sich und beobachtet insgeheim Liebespaare. Ein schönes Mädchen nähert sich. Er beobachtet, wie es sich neben ihm niederlässt. Daniel versucht weiter zu lesen, schaut jedoch immer wieder zum Mädchen hinüber und bemerkt dabei die Annäherungsversuche eines Mannes. Seine eigenen Annäherungsversuche werden verhindert. Er packt seine Sachen zusammen und verschwindet.
Der Kommentar ist ein Text über Pinguine, da man diese in ihrem Verhalten mit den Menschen vergleichen kann.

Una vita normale
Regie: Luc Yersin, Kamera: Jürg Hassler
35mm, SW, 8'

Savian ist ein 18-jähriger Arbeiter in einer grossen Maschinenfabrik in der Umgebung von Zürich. Er kommt aus Süditalien. Er hat keine richtige Beziehung zur Schweiz und lebt nur hier, um das nötige Geld zu verdienen. Das soll ihm helfen, sich in Italien eine Position zu schaffen.
Er interessiert sich hier - und er sagt es auch - nur für Geld und Mädchen.

Gabi
Regie: Marco Hüttenmoser, Kamera: Eduard Winiger
35mm, SW, 8'

Eine junge ledige Mutter gibt uns Einblick in ihre Probleme. Sie spricht über ihre Zukunftsaussichten, über ihr Verhältnis zur Gesellschaft und zu ihrem Kinde.
Der Film versucht, die Aussagen der jungen Mutter zu beleben und zu vertiefen.

Schweizerischer Filmarbeitskurs
Regie: Marcel Spühler, Kamera: Iwan Schumacher
35mm, SW, 8'

Im 1. Schweizerischen Filmarbeitskurs wurden 12 Kurzfilme gedreht; davon behandeln 11 das Thema "Die Zwanzigjährigen".
Dieser Film versucht die Arbeit aufzuzeichnen, welche die Dozenten und die Schüler in der 4-monatigen Kurszeit leisteten. So entstanden mehrer kleine Reportagen. Sie wurden in eine Reihfolge gesetzt, die dam Ablauf des Kurses gleicht.

Die ruhigen Töchter
35mm, SW, 5'46"

Rahmenfilm zu den Filmen über Zürcher Warenhaus-Verkäuferinnen.

Arbeitswelt
Regie: Ueli Fries, Kamera: Jürg Hassler
35mm, SW, 8'

Das Warenhaus als Arbeitsstätte. - Da sind die Bemühungen des Unternehmens um gutes Betriebsklima, die sozialen Einrichtungen - und die Betriebsordnung.
Die Betroffenen aber, die Verkäuferinnen, sehen zum grösseren Teil ihrer Arbeit als Job, kaum als Beruf. Sie arbeiten, um Geld zu verdienen, um für die Ehe zu sparen. Die Diskrepanz ist nicht aufzulösen.

Elisabeth / Die alte Ordnung
Regie: Rudolf Ettmüller, Kamera: Otmar Schmid
35mm, SW, 7'

Elisabeth fährt jeden Samstag nach Brig zu ihren Eltern und Geschwistern. Sie arbeitet in Zürich, sucht hier aber keine Kontakte, da ihre eigentliche Welt das Wallis ist. Fast alle ihre Bekannten sind Walliser. In Episoden wird der Verlauf eines üblichen Wochenendes gezeigt. Elisabeth hat eine Aufgabe in Zürich, ihre Ziele sind im Wallis.

Angela / Die neue Sicherheit
Regie: Carlo G. Révay, Kamera: André Picard
35mm, SW, 5'30"

Nüchtern, kühl, geprägt von einem starken Wunsch nach Geborgenheit, nach Sicherheit: Zürichs Warenhaus-Verkäuferinnen.
Angela hat ihre Sicherheit gefunden: in der Familie, die sie zu gründen im Begriffe steht, vor allem aber im Gesellschaftsleben. Das Warenhaus ist nur ein kurzes Zwischenspiel.
Der Inhalt: Am Samstag, nach Arbeitsschluss, fährt Angela nach Hause, um den Abend im Freundeskreis zu verbringen. Ein Café, ein Jazz-Club, das sind die Orte, an denen sich das Gesellschaftsleben abspielt. Die dokumentarischen Aufzeichnungen sind unterbrochen durch ein Interview, im dem Angela über sich Auskunft gibt.

Lea / Auf der Suche
Regie: Samuel Müri, Kamera: Vincent Engesser
35mm, SW, 8'30"

Lea, von aussen gesehen Verkäuferin, wie die andern, aber innerlich in einer gewissen Unsicherheit, lebt in dieser Stadt, möchte in dieser Zivilisation integriert sein, sucht Kontakt mit Menschen, mit Mode und Luxus, sucht High-Society - und sucht Vertrauen.
Der Film erfasst in kürzeren Statements einige der vielen Aussagen über ihr Leben, ihre Umwelt, über Lea. Dazwischen werden in kurzen Abschnitten momentane Fixpunkte aus ihrem Alltag dokumentiert.

Home sweet home
Markus P. Nester, Kamera: Lucius Lenherr
35mm, SW, 8'30"

Thomas, ein junger Student, der sein Zuhause unerträglich findet, beschliesst, aus seinem "Gefängnis" auszubrechen, um sich ein eigenes Zimmer zu mieten. Aber seine Wohnungssuche, die immer absurdere Formen annimmt, bleibt erfolglos, und schliesslich landet Thomas, nach seinem kurzen Ausflug in die gelobte Freiheit wieder im Schosse der Gesellschaft, die er verlassen wollte: im Gefängnis, um eine Illusion ärmer und um die Erkenntnis reicher, dass man im Leben stets nur aus einer Unfreiheit in die andere flieht.

Un homme et une pomme
Regie: Pierre Staub, Kamera: Ulrich Meier
35mm, SW, 8'

Fritz, trotz seiner Sprache ein "Copain", lebt mit dem gleichmässigen Rauschen der Langwellen. Wenn er denkt, träumt er. Wenn er träumt, folgt er den Träumen der Anderen.
So lebt Fritz - so wartet Fritz - .
Wartet vielleicht auf eine Eva, die ihm einen Apfel schenkt, auf einen Himmel voller Geigen. Kurz: auf "das Glück der Andern". Vielleicht.

Happy Birthday
Regie: Markus Imhoof, Kamera: Christine Raymann
35mm, SW, 9'

Robert wächst auf einem sorgfältigen Geflecht von Ordnungen. Selbst die Zukunft ist ihm vorgezeichnet. Er braucht nur die Füssse zu heben und zu gehen.
Einmal versucht er, den Weg selber zu finden. Aber die Ordnung fängt ihn wieder ein.

C'est la vie
Regie: Suzanne Beyeler, Kamera: Jean-Jaques Vaucher
35mm, SW, 9'30"

PPasquale: Modeschöpferin - selbstständig - intelligent - hübsch - ein eigenes Atelier. Man kann sagen, es geht ihr gut.
Plötzlich erkennt sie die Sinnlosigkeit ihrer Arbeit, die Oberflächlichkeit, die unsere Gesellschaft prägt, in der alles zu gut geht: "es gibt keinen Grund mehr, dafür oder dagegen zu sein."
Sie entschliesst sich, diese in ihrer Stadt gewonnene Sicherheit und Existenz aufzugeben, um anderswo neu zu beginnen.

 

Zweiter Filmarbeitskurs 1968
Thema: "Veränderungen"
Liste der Filme mit Synopsen der Studierenden.

DIE KREIDEZEICHNUNG
Regie: Madeleine Fahrion, Kamera: Jürg Hassler
35mm, SW, 10'05"

Dieser Film erzählt die Geschichte eines Mordes, wie er sich ähnlich in einer Grosstadt zugetragen hat: dutzende von Leuten waren Augen- oder Ohrenzeugen des Verbrechens, doch nicht ein einziger hatte sich darum gekümmert, was sich buchstäblich vor seiner Nase abspielte. Als man den Leuten die Frage stellte, warum sie nichts unternommen hätten, bekam die Polizei in den meisten Fällen die lakonische Antwort: "Es geht mich nichts an."
Diese Einstellung den Geschehnissen gegenüber, die nicht gerade den persönlichen Bereich des einzelnen berühren, scheint in unserer modernen technisierten Gesellschaft weit verbreitet zu sein. Höchstens die Sensation oder Skandale stossen auf Interesse. In diesem Film interessieren sich die Leute für die Polizeizeichnung am Boden, denn sie regt die Phantasie an, dass aber eine Mieterin während Tagen ihren Briefkasten nicht leerte scheint niemandem aufzufallen. Diese Menschen kapseln sich bewusst ab, es entsteht die einsame Masse. Man umgeht jede Störung, die das seichte Dahinplätschern des täglichen Lebens unterbrechen könnte. Die Menschen in diesem Film erledigen die Geschichte, indem sie einen Kranz für die Tote stiften: das bürgerliche Gewissen ist wieder einmal beruhigt.

BEDIENUNG INBEGRIFFEN
Regie: Markus P. Nester, Kamera: Clemens Klopfenstein
35mm, SW, 16'13"

Was man sieht:
Drei Typen, A, B und C, quartieren sich in einem abgelegenen, von einer jungen Wirtin geleiteten Gasthof ein. Kurz nachdem sie "?" vergraben haben, verschwindet C. A und B verdächtigen sich gegenseitig, ihn umgebracht zu haben. Sie versöhnen sich, belauern sich, verfolgen sich - bis der eine eine Spur des verschwundenen C entdeckt. Nun entbrennt der Kampf um ..., ein Kampf aller gegen alle, eine fast absurde Mordorgie.
Was man sehen kann:
Durch die Häufung von Clichées und die extreme Raffung der Handlung soll das Grundraster des Kriminalfilms verdeutlicht und mit Hilfe eines genrefremden Milieus gleichzeitig ironisiert werden. Wir geben uns im Kriminalfilm mit einer oberflächlichen Folgerichtigkeit zufrieden, ohne uns um die Realität der Motivierungen und Kausalitäten zu kümmern. Überraschungseffekte verdecken Zufälligkeiten und eventuelle Widersprüche. Gerade am scheinbar realistischen Kriminalfilm wird die Divergenz zwischen filmischer Welt und äusserer Realität deutlich.

NACH RIO
Regie: Clemens Klopfenstein, Kamera: Werner Zuber
35mm, SW, 15'40"

Eine lange Nacht durch versucht ein verwundeter, älterer Gangster vor Gegnern zu fliehen. Sein Ziel: ein Flugplatz, wo ein Freund ihn mit nach Rio nehmen will. Knapp vor dem rettenden Flugzeug erwarten ihn jedoch seine Verfolger. Er stirbt, weil nach den Gesetzen der Unterwelt Angeschossene ganz zum schweigen gebracht werden müssen und weil ein solcher Genrefilm (serie noire) sowieso mit dem Tod des Protagonisten zu enden hat.
"Nach Rio" ist ein Versuch eines Trivial-, eines Genrefilms, weil der Autor glaubt, dass der Schweizerfilm mit "Kunstfilm" auch nicht zu retten ist. "Nach Rio" ist ein nicht subjektiver Film: es geht nicht um eigene Probleme, sondern um objektive, um mediumimmanente, um Kinowahrheit.
"Nach Rio" steht in direkter Relation zu den früheren Filmen der AKS Gruppe Basel.

DAS BUCH EIFFE
Regie: Ulrich Meier, Kamera: Alex Jent
35mm, SW, 15'27"

Er ist dreimal gross geworden: als er das ABC auswendig konnte, als er konfirmiert wurde, als er die Schule verliess. Alle sind dreimal gross geworden.
Er las die Apologie des Sokrates in der Fischer-Bücherei Band 24. Und in Rowohlts Klassiker, 6. Auflage. Und in der Reclam-Ausgabe, Band 895. Erwartete endlich einen andern Ausgang des Prozesses. Immer blieb der Schierlingsbecher. Vielleicht, hätte man einmal nur die unbedruckten Seiten eingebunden, wäre Sokrates einmal weniger gestorben. Immerhin. So etwa, denke ich, dachte er.
Ich weiss nicht mehr, ob das Mädchen am Schluss des Filmes lächelte. Oder ob sie nur lächelte.

DIE VERAENDERUNGEN DES FRIEDERICH W. AUS U.
Regie: Alex Jent Kamera: Otmar Schmid
35mm, SW, 12'37"

Friederich W. fühlt sich als Nonkonformist. Ein solches Gefühl verlangt einen Ausdruck. Friederich W. überlegt, ob es wohl genügen würde, sich in farbige Kleider zu hüllen und die Haare wachsen zu lassen. Doch er lässt es bei seinem Schnurrbart bewenden und kommt zur Einsicht, dass das Gefühl des Nonkonformismus weniger einen Ausdruck, als vielmehr einen Abdruck verlangt. So beginnt er Gegenstände, die seiner Aesthetik nicht genügen, mit grosszügigen Ornamenten zu verschönern: er verändert damit nicht seine Umwelt, sondern nur deren Oberfläche. Seiner Umwelt ist keine Veränderung an sich selbst zu oberflächlich, um darin nicht eine gemeingefährliche Absicht zu sehen und das unorthodoxe Verhalten eines Einzelnen, durch ihre Machtposition, zu unterbinden. Doch letztlich kann weder Friederich W., noch seine Umwelt, den Gegenspieler verändern.
Immerhin gibt der Autor dieses Filmes zu, dass zumindest er durch diesen Film verändert wurde.

EINE MOEGLICHKEIT: L.
Regie: Niklaus Müller, Kamera: Eduard Winiger
35mm, SW, 8'08"

1. Marianne hat jemanden erschossen. Nun überlegt sie, wie ihr das hat zustossen können: ihr Freund kommt sie besuchen und möchte mit ihr schlafen; sie ist müde, mag sein, sie will ihn nicht in ihrer Wohnung haben an diesem Vormittag; darauf hat sie die Geduld verloren.
2. Sie legt sich zurecht, er müsse sich selbst in ihrem Zimmer erschossen haben, in ihrer Abwesenheit. Vielleicht muss man aber annehmen, dass sich die ganze Geschichte nur in Mariannes Kopf abspielt, während sie herumflippert und nichts tut - vielleicht auf ihren Freund wartet?
3. Der Film beschäftigt sich mit dem Entwerfen von Möglichkeiten, er versucht herauszufinden, wie es irgend zu einer bestimmten Situation, die hier ein Zitat ist aus dem zweiten Film von Schlöndorff, hätte kommen können.
4. Das Mädchen wird zwischen seinen verschiedenen Versionen wählen müssen, wie auch der Zuschauer sich entscheiden muss für die Wahrscheinlichkeit einer der Geschichten.
5. Es bedurfte dies einer offenen Art des Erzählens. Die Abgrenzungen zwischen Wirklichkeit und Vorstellung verwischen sich. Die verschiedenen Zeitebenen fliessen ineinander. Marianne wird ratlos, unsicher über das, was nun eigentlich vorgegangen sein muss. Sie kann zu keinem Schluss kommen.

SAMBARI
Regie: Oliver Perrottet, Kamera: Jürg Wolfensberger
35mm, SW, 15'27"

Franz Krofitsch, 34, kleiner Geschäftsmann, durch Kauf auf Kredit Besitzer mehrerer tausend Tonnen Bananen im Reifestadium, steht vor der Chance seines Lebens: Ganz gross ins Bananengeschäft einzusteigen.
Doch die Frage des Transports gibt ihm noch zu denken: Hoffentlich wird Birk das übernehmen ... Es erweist sich aber als gar nicht so leicht, mit Birk überhaupt in Kontakt zu kommen. Und die Sache eilt natürlich.
Endlich ist es dann doch soweit. Was der Film festhält, sind die letzten Schritte Franz Krofitsch's in der Sache "Sambari". Er wollte doch nur mal " ... auch ein bisschen mitmischen" (wie er das nennen würde).

SAUBERKEIT
Regie: Samuel Müri, Kamera: Jürg Hassler, Peter Meier-Classen
35mm, SW, 16'24"

Voller Lust hat Herkules den Augiasstall ausgemistet und voller Unlust (oder Lust) wippen Hausfrauen die tägliche Staubschicht von der Kommode, wird Vietnam von Vietcongs gesäubert.
"Ordnung muss sein!" - Damit das Kamera-Auge verschiedene Orte der Sauberkeit erfassen konnte, brauchte es eine saubere Linse und eine gereinigte Kamera für ein sauberes Bild. Es lebe die Sauberkeit! Hoffentlich bleibt auch menschlichem Ungeziefer noch etwas vom Leben übrig.
Der Film: 16 Minuten, wovon: a) eine DEMONSTRATION (ein Putzschwamm und eine tüchtige Hausfrau), b) ERZIEHUNG (in einer Hauswirtschaftschule, wo man reinigen lernt), c) AUS DEN TAGEBUCH EINER HAUSFRAU (rhythmisches Strahlendweiss), d) SAMSTAG (für Autofreunde), e) ERSATZ (lustbetonte Reinigung), f) REINE LIEBE (hygienische Erotik aus Deutschland importiert) g) SCHMUTZ UND SCHUND (ein 1.-August-Feuer und eine Rede über Literatur, h) RUHE UND ORDNUNG (eine inoffizielle Bekanntmachung zu einem historischen Ereignis in der Zwingli-Stadt mit anschliessender Fahrt zu Waschboxen), i) GESINNUNG (eine Lektion über saubere Leinwand anhand tendenziöser Militärberichterstattung) und dazwischen Schüler und Schülerinnen einer 3. Realschulklasse, die über schmutzige Ausländer und Gammler und andere Abenteuer mit der Sauberkeit sprechen.
Dieser Film ist unserem Vaterland gewidmet, dem Hort von Ordnung und Sauberkeit und seinem weltweiten Ruhm dafür, der unsere Banken füllt.

SPIELSAECHELCHEN
Regie: Marco Hüttenmoser, Kamera: Robert Scherz
16mm,SW, 19'24''

Erstes Anliegen war - soweit im Rahmen eines Filmarbeitskurses möglich - Technik und Aussagekraft des Filmes als Mittel zum psychologischen Test zu erproben.
Testanordnung und Arbeitshypothese kamen in Zusammenhang und Diskussion mit Fachleuten auf dem Gebiete der Kinderpsychologie zustande und wurden zuvor mit Video erprobt.
Das Resultat legen wir in bewusster Skizzenhaftigkeit vor. Dennoch glauben wir, dass einzelne Szenen deutlich zeigen, wie verheerend die Folgen einer ... Hochkonjunktur für das Kind sein können.
In unserer Gesellschaft besteht die latente Gefahr, dass der Kreislauf von steigender Produktion und Rekrutierung von Konsumenten zum menschen-entwürdigenden Dilemma wird. Dies zeigt sich schon in der Sache selbst: Das Spielzeug selbst ist in sich so geschaffen, dass es nicht mehr seinen eigentlichen Zweck erfüllt, sondern einzig zum Anreger zu weiterem Konsum wird.

RONDO
Regie: Markus Imhoof, Kamera: Lucius Lenherr
16mm, SW, 42'32"

Im Rahmen der Thematik "Veränderungen" wollte ich das Scheitern eines Veränderungsversuches zeigen.
Es geht dabei nicht um das Scheitern des Strafgefangenen 237, nicht um das Portrait eines Kriminellen, sondern, es soll an einem Beispiel das Scheitern des staatlichen Veränderungs- und Erziehungsversuches "Strafvollzug" analysiert werden. Richtiger wäre es, an zwei oder drei Beispielen das Allgemeine sichtbar zu machen, was aber in der zur Verfügung stehenden Zeit allzu grobe Abkürzungen bedingt hätte. Anderseits ist es unmöglich, den exemplarischen Fall zu finden, der alle andern Fälle in sich enthält.
Indem ich das Gesicht von 237 mit einem Balken abdecke - ich weiss, dass ich mich damit eines der wirksamsten Ausdrucksmittel beraube - versuche ich, ein Voyeurinteresse des Publikums nicht zu befriedigen. Vielleicht gelingt dem durchgestrichenen Gesicht eine allgemeingültigere Aussage. Ihm gegenüber stehen die Gesetze, Massnahmen und Verordnungen und der ganze ausübende Apparat, der eine Veränderung zu bewirken sucht, der an die Veränderbarkeit nicht glaubt.

SISIFUS
Regie: Roman Hollenstein, Kamera: Lucius Lenherr
35mm, SW, 13'33"

ein junger typ (offenbar resigniert, tatenlos, der genug hat von sich und von allem: vor allem von sich, eigentlich müsste er sich erschiessen, auswandern wäre illusorisch) schiesst seine zimmereinrichtung zusammen, in einer art masochistischer selbstgenugtuung, die sich als zeremonie ausdrückt, er gefällt sich selbst in dieser rolle. zu mehr hat er keine kraft. es ist ein im grund schwacher änderungsversuch, der nutz- und sinnlos bleibt, da ihm darüber hinaus nichts weiter einfällt und somit alles beim alten bleibt: seine vorerst selbstgewählte rolle wird zu seinem schicksal. es wird immer wieder dasselbe sein: er könnte den ort wechseln, sein zimmer, er wird sich stets wiederholen, nichts ändert sich, denn sisifus bleibt sich selber treu. er hat keine andere wahl, als seine (onanistische) zeremonie ewig zu wiederholen. wenigstens für einmal hat er jeweils das ventil geöffnet.

EIN KINDERSPIEL
Regie: Peter Kupper, Kamera: Herbert Spühler
35mm, SW, 8'53"

Es war einmal ... ... eine Waldlichtung. ... in diese Stille dringt ein Auto ein, ein Liebespaar zum lauschigen Rastplatz führend. Doch für die Liebe ist keine Zeit, denn drei liebliche Kinder überraschen sie, fesseln sie zusammen an einen Baum und tun sich gütlich am Picknick, das das Mädchen aus dem Auto hervorgeholt hat. Der Liebhaber, dem das "Gangsterspiel" dieser Kinder gefällt, lässt sich mit seiner Freundin zu ihrem Picknick einladen. Die drei Kinder aber kümmern sich nicht weiter um die beiden Erwachsenen. Annäherungsversuche ihrerseits werden lächelnd erst, dann mit dem Griff zur "Waffel' abgewehrt. Der Spass des Liebhabers an diesem "Spiel" ist verdorben, zu Ende. Doch auch das "Spiel" ist aus. ... in der Waldlichtung steht verlassen ein Auto. ... verlassen liegt die Waldlichtung da, einsam und ruhig. ... es war einmal.

TOLERANCE IN
Regie: Marc Sauter, Kamera: Robert Scherz
35mm, SW, 9'40"

betrachten Sie meinen film als dokumentarfilm und nicht als spielfilm. ich will nicht eine geschichte erzählen, sondern ein (dokument geben, ein dokument der gedanken und assoziationen junger menschen. junge menschen, die den schritt zur toleranz, diesen ersten schritt in die zukunft gewagt haben, den unsere ganze gesellschaft wagen sollte. noch haben sie die stufe nicht erreicht, auf der toloranz die basis bildet zu einem glücklicheren und bewussteren dasein. eine stufe, auf der solche worte und sätze aus dem alltäglichen vokabular verschwunden sind, da sich das vokabular in praxis und aktion geändert hat. und noch wirft in diesem film die dunkle wolke der intoleranz ihre schatten auf die gesellschaft. an uns liegt es, den lauen wind, der diese wolke vertreibt, zum sturmwind auszubreiten. (buh)

UMWEGE
Regie: Suzanne Beyeler, Kamera: Otmar Schmid
35mm, SW, 21'22"

Der Film zeigt Stationen in der Entwicklung eines Mädchens auf dem Weg zur Emanzipation.
Vorerst noch unbewusst und mit viel Romantik macht Barbara die ersten Schritte, als sie ein viertel Jahr vor dem Abitur von Zuhause wegläuft. Durch Zufall kommt sie nach München, wo sie ihren späteren Freund kennen lernt. Sie kommt in einen Kreis politisch engagierter Studenten und begreift allmählich, "dass man was tun muss". Gemeinsam mit ihnen setzt sie sich ein für die Versuche, die ihr nur immer mehr ihre eigene Abhängigkeit und Ohnmacht bewusst machen. Sie möchte gerne studieren, doch dazu braucht sie Abitur. Und als sie begreift, dass sie sich bisher nur aus einem Nest ins andere gesetzt hat, sucht sie sich Arbeit und ein eigenes Zimmer, um sich ihre Unabhängigkeit als Voraussetzung ihrer weiteren Entwicklung zu sichern.
Der Film propagiert nicht einen bestimmten Weg, sondern stellt Stationen eines Bewusstseinsprozesses zur Diskussion.

 

Dritter Filmarbeitskurs 1969
Thema:
offen / Auftragsfilme
Liste der Filme mit Synopsen von Thomas Schärer.

ZAP !
Uli Zulauf
16mm, Farbe, 4'30"
Dokumentar/Spielfilm mit KGSZ-Modeklasse.

Eine Art Musikclip. Szenen aus der Käse- und Joghurt- Verarbeitung im Wechsel mit bunt bemalten Menschen, die sich auf einer winterlichen Zürcher Dachterrasse in Trance tanzen und Joghurt essen. Unterstützt durch den Zentralverband der Schweizer Milchproduzenten.

UNTERWEGS
16mm, Farbe, 13'
Version I: ohne Kommentar mit Inserts
Klassenarbeit Doz. Skripsky

UNTERWEGS
16mm, Farbe, 12'

Version II: mit deutschem Kommentar (Wirtschaftsfilm)

Ein verkappter, sich zu Beginn gesellschaftskritisch gebender Werbefilm zu möglichen Milchbarstationen und deren kulinarischen Kreationen auf Autobahn-Raststätten. Unterstützt durch den Zentralverband der Schweizer Milchproduzenten.

UNIVERSITÄTS-PLANUNG ZUERICH
16mm, Farbe, 32'

Klassenarbeit Doz. Zickendraht
Informationsfilm, Originalfassung Schulfilm Peter Gerdes, Tobias Wyss

UNIVERSITÄT IN RAUMNOT
35mm, Farbe, 12' (Kinofassung)

Auftragsfilm (Kurz- und Langversion) des Regierungsrates des Kantons Zürich, der die Situation der Schweizer Hochschulausbildung und Forschung beleuchtet und eine Erweiterung der Universität Zürich (Neubau auf dem Milchbuck) propagiert. Der Kurzfilm wurde erfolgreich im Abstimmungskampf für die Universitäts- Erweiterung eingesetzt.

EXPERIMENTALFILME
Total-Länge: 30'15"

Klassenarbeit Doz. Hallama
1. Übungen:
Film 1 (Cooperativa) 1'10"
Film 2 (Chumm) 1l'10"
2. Animationsfilme:
BLUNTSCHLI 1'16" Iwan Senn
WE ARE IN THIS WORLD 1'
3. Übungen freie Experimente:
Film 1 1'40"
Film 2 2'40"
4. Abschlussfilme:
KAMERA-CHOREOGRAPHIE 6'20" Ngo Van Da
EINE MORITAT 16mm 14'50" Raymond Schlosser

Eine Kollektion von kleinen Szenenexperimenten (teilweise ohne Credits): Von einer gestörten Hymne auf Karl Marx und Collagen und Grotesken zum Wohlstandsüberdruss, über indisch inspirierten Meditationen in freier Landschaft zu psychedelischem Tanz und einer surrealen Berghüttenidylle eines Bankiers-Ehepaares.

DAS WORT ZUM TAG
Peter Gerdes
35mm, SW, 11'
Spielfilmetude, Doz. Klos

DAS WORT ZUM TAG
Thomas Kurz
35mm, SW, 11'
Spielfilmetude, Doz. Klos

DAS WORT ZUM TAG
Tobias Wyss
35mm, SW, 11'
Spielfilmetude, Doz. Klos

Drei auf derselben Vorlage basierende Szenen zwischen einem Kommissar und einer jungen Frau. Die Schlusspointe zeigt den Vertreter der Staatsmacht in irritierender Verfassung. Die drei Autoren arbeiteten mit demselben Schauspieler und identischen Dekors.

PAPIERFILM
Carlo Varini
16mm, Farbe, 12'

Übungsfilme Regieklasse Klos
16mm, SW, 29'

Dreizehn stumme szenische Übungen (ohne Credits) mit Slapstick-Charakter.

 

   
  Copyright Memoriav 2003 / Letzte Aktualisierung: 16.09.2008