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Niklaus Bütikofer
Schweizerisches Bundesarchiv
Das Projekt Politische
Information besteht aus einer ganzen Reihe von Teilprojekten,
die unter der Bezeichnung politische Information zusammengefasst
werden und alle zusammen dieselbe Stossrichtung haben. Allen Projekten
geht es um das eine, nämlich das audiovisuelle politische
Gedächtnis der Schweiz zu sichern und im Schweizerischen
Bundesarchiv für die Benutzung zugänglich zu machen.
Politiker und Politikwissenschaftler
gehen heute davon aus, dass Fernsehsendungen in der politischen
Meinungsbildung eine wichtige Rolle spielen, indem sie die für
den Ausgang von Wahlen und Abstimmungen entscheidenden Wählerprozente
mobilisieren oder umstimmen können. Die Rolle des Fernsehens
im politischen Prozess ist aber gerade in der Schweiz, dem Land
der direkten Demokratie par excellence, in der historischen Dimension
noch weitgehend unerforscht.
Darüber hinaus
haben audiovisuelle Dokumente für das Verstehen und Vermitteln
historischer Vorgänge eine hervorragende Bedeutung. Schlüsselereignisse
in der Geschichte, sei es der Rütli-Rapport General Guisans
oder die erste Mondlandung, sind meistens nicht "Schreibtisch-Taten",
sondern symbolische Handlungen, die erst durch die mediale Vervielfältigung
und Verbreitung ihre prägende Wirkung entfalten.
Die Projekte der politischen
Information konzentrieren sich auf zwei Serien von audiovisuellen
Produktionen, die gemeinhin als Kernstücke der politischen
Information angesehen werden: die Schweizerische Filmwochenschau
von 1940 bis 1975 und die Tagesschau des Schweizer Fernsehens
von 1953 bis 1989.
Begonnen wurde
das ganze Vorhaben mit einem Pilotprojekt, das in drei Hauptprojekten
mit je drei verschiedenen Partnern fortgeführt wird:
- Pilotprojekt
Tagesschau 1980-1989 auf Umatic-Datenträgern:
In diesem Projekt wurde zum ersten Mal in vergleichsweise kleinem
Rahmen die Zusammenarbeit zwischen einer Unternehmenseinheit
der SRG, im konkreten Fall zwischen dem Schweizer Fernsehen
DRS und dem Bundesarchiv geregelt und getestet. Das Pilotprojekt
diente in der Folge als Modell für die Fortsetzung des
Projektes. Es konzentrierte sich auf die 1980er Jahre, weil
die Umatic-Videokassetten, auf denen die Tagesschaubeiträge
dieser Zeit bei SF DRS hauptsächlich aufgezeichnet worden
waren, nicht mehr länger haltbar waren und dringend umkopiert
werden mussten. Die älteren Tagesschaubeiträge dagegen
waren auf dem stabileren Träger Film produziert worden.
Dieses Trägermaterial zeigt zwar bei einzelnen Beiträgen
auch bereits deutliche Zerfallserscheinungen, lässt aber
für die Umkopierung einen grösseren zeitlichen Spielraum.
- Hauptprojekt
Tagesschau 1953 bis 1989 auf Film-Trägermaterial:
16 mm-Filmmaterial wurde bis in die 1980er Jahre hinein für
die Produktion der Beiträge benutzt. Aus den ersten Jahren
der Tagesschau sind allerdings nur noch die Jahresrückblicke
1954 bis 1956 überliefert, Einzelbeiträge sind erst
ab 1957 vorhanden. Zusammen mit dem Pilotprojekt werden damit
sämtliche Tagesschaubeiträge bis Ende achtziger Jahre,
die sich im Archiv von SF DRS befinden, umkopiert und auf Video-Kassetten
im Bundesarchiv für die Vermittlung bereitgestellt.
- Hauptprojekt
Téléjournal 1981-1990 auf Umatic-Trägermaterial:
Im Zuge der Regionalisierung produzierte die Télévision
suisse romande (TSR) ab 1981 ihre eigene Tagesschau in Genf.
Zuvor wurde jeweils die in Zürich produzierte Tagesschau
in französischer Sprache ausgestrahlt. Mit der Konzentration
auf das in den 1980er Jahren übliche Trägermaterial
Umatic wird auch hier ein dringender konservatorischer Handlungsbedarf
erfüllt.
Alle Projekte zwischen
dem Bundesarchiv und SF DRS beziehungsweise TSR beruhen auf denselben
Prinzipien:
- Das Ursprungsmaterial
auf Umatic-Videokassetten und Film wird umkopiert auf Kassetten
des Typs Beta digital für die Benutzung zu nicht kommerziellen
Zwecken im Bundesarchiv. Einzig im Pilotprojekt wurden Kassetten
des Typs Beta SP benutzt. Das Fernsehen seinerseits erstellt
im gleichen Arbeitsgang Kopien für den Eigengebrauch.
- Gleichzeitig wird
die dokumentalistische Erschliessung der Beiträge durch
SF DRS bzw. TSR auf einen einheitlichen, hohen Standard angehoben.
Diese Referenz-Daten werden dem Bundesarchiv für dessen
eigenen Recherche-Bedarf zur Verfügung gestellt.
- Die Manuskripte
und ähnliches Material zu den Sendungen werden ebenfalls
kopiert und im Bundesarchiv für Recherchen zur Verfügung
gestellt.
- Die jeweiligen
Partner teilen sich die Kosten.
Hauptprojekt Schweizerische
Filmwochenschau 1940-1975:
In einer Reihe von älteren Nummern der Schweizerischen Filmwochenschau
sind noch Beiträge enthalten, die auf Nitratfilm produziert
worden waren. Nitratfilm zerfällt schneller als das neuere
Filmmaterial und wird mit zunehmendem Zerfall stark feuergefährlich.
Das primäre Ziel war deshalb, dieses Material auf Sicherheitsfilm
umzukopieren. Zusätzlich wird aber auch die ganze Serie der
Wochenschauen für die Benutzung im Bundesarchiv auf digitale
Videokassetten übertragen.
Abgerundet wird das
Projekt politische Information durch ein eigentliches Rechercheprojekt:
Begleitprojekt Geschichte der Tagesschau:
Hier soll nicht eigentlich die Geschichte der Tagesschau geschrieben,
sondern vielmehr Quellenmaterial dazu gesammelt und gesichtet
werden. Mangels grösserer Aktenbestände, welche diese
Geschichte dokumentieren können, will man sich vor allem
auf die Methoden der Oral History stützen und direkt Beteiligte
in Interviews befragen.
Ausblick
Neben den Tagesschauen und der Filmwochenschau gibt es natürlich
eine ganze Reihe anderer wichtiger Sendegefässe und Filmproduktionen,
die in den thematischen Bereich der politischen Information hineingehören.
Es ist zu hoffen, dass auch diese in Zukunft gesichert und zugänglich
gemacht werden können. Der Rahmen und die Erfahrungen für
Folgeprojekte sind sicher vorhanden, wenn die hier dargestellten
Projekte im Jubiläumsjahr 1998 abgeschlossen sein werden.
Der Autor dieses
Berichts, Niklaus Bütikofer, war Leiter der Sektion "Informationssicherung
2" im Schweizerischen Bundesarchiv und leitete das Projekt
in Zusammenarbeit mit Christoph Graf, dem damaligen Direktor des
Schweizerischen Bundesarchivs.
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